Chinesische Exotik Die Savonnerien

Das Musikzimmer der fürstbischöflichen Residenz steht im Zeichen der Chinamode: Sinesisch anmutende Figuren in Fantasiekostümen, exotische Vögel und musizierende Affen zieren die Savonnerien, die Knüpfteppiche. Auch die Sitzmöbel und den Kaminschirm stattete man mit den chinoisen Motiven aus.

FERNÖSTLICHE MOTIVE

Jeder der sechs Wandteppiche zeigt von unten nach oben drei Szenen: Am unteren Rand musizieren und tanzen Affen – sie verkörpern die einfachen Freuden des Lebens. Darüber folgt eine weltliche Szene, wie ein teetrinkender Mann. Die abschließende Szene ist jeweils eine religiöse oder spirituelle Handlung, etwa ein Rauchopfer. Die Figuren tragen kimonoähnliche Gewänder, spitze Kegelhüte und asiatische Gesichtszüge. Die Szenen geben kein reales Abbild wieder, sondern eine Vorstellung vom Leben in Asien.

Die Wandbehänge im Musikzimmer zeigen Szenen mit chinesischen Figuren.

BERÜHMTE AFFEN

Auf den Savonnerien im Musikzimmer findet sich eines der beliebtesten Motive der Orientmode des 18. Jahrhunderts wieder: die „Singerie“. Das französische Wort wird mit „Affentrick“ übersetzt, und bezeichnet Darstellungen von Affen, die menschliches Verhalten nachahmen. Das Motiv gab es bereits im Alten Ägypten, in der Neuzeit wurde es mit weiteren exotischen Details kombiniert. So tragen die Affen auf den Bruchsaler Knüpfteppichen asiatische Modeartikel wie einen Sonnenschirm oder Hut.

Geigender Affe auf einer Savonnerie in Schloss Bruchsal.

Schloss Bruchsal, Mobiliar und Wandbehänge mit exotischen Motiven

Nicht nur die Wände, auch die Möbel sind mit chinoisen Textilien gestaltet.

EXOTIK IM GANZEN RAUM

Die sechs Savonnerien sind Teil einer einzigartigen, nahezu vollständigen Garnitur, die ursprünglich für ein chinesisches Kabinett entworfen wurde. Sie umfasst Canapés (Sofas), Fauteuils (Sessel) und Tabourets (Hocker) und einen Kaminschirm. Der Bezug des Mobiliars zeigt dieselben exotischen Motive wie die Savonnerien: Die chinesischen Figuren, Affen und exotischen Tiere und Blumen spiegeln die Begeisterung für das Land im Fernen Osten wider, zeigen jedoch eine chinoise Fantasiewelt.

Kurfürst Clemens August (1700-1771)

Kurfürst Clemens August war ein Liebhaber des „chinesischen Stils“.

SAVONNERIEN „IM CHINESISCHEN STIL“

Die sechs Wandteppiche im Musikzimmer der Bruchsaler Residenz gehören zu einer Serie „im chinesischen Stil“, den Kurfürst Clemens August sehr schätzte. Um 1760 beauftragte er die kurkölnische Savonnerie-Manufaktur in Bonn die Wandbehänge mitsamt dem Mobiliar herzustellen: Die Garnitur war für das chinesische Kabinett in Schloss Augustusburg bei Brühl gedacht. Fürstbischof Franz Christoph von Hutten erwarb die ursprünglich neun Savonnerien nach Clemens Tod für seine Residenz, Schloss Bruchsal.

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