Einzige geistliche Residenz am Oberrhein

Schloss Bruchsal

Französische Tapisserien im Jagdzimmer, Schloss Bruchsal; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württembergs, Dirk Altenkirch
Gewebte Kunst aus Frankreich

Die Bruchsaler Tapisserien

Seit dem 16. Jahrhundert förderte das französische Königshaus die Produktion von Tapisserien. Solche Wandteppiche gehörten in der höfischen Repräsentationskultur des 18. Jahrhunderts zur wichtigsten Ausstattung bedeutender Räume. Auch die Fürstbischöfe ließen ihre Beletage kostbar ausstatten.

Schloss Bruchsal, Ausschnitt aus einer Tapisserie im Jagdzimmer, Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Katharina Rohne

Der Elefantentreiber

Umfangreiche Sammlung an Tapisserien

Die Fürstbischöfe von Speyer statteten ihre Residenz in Bruchsal mit kostbaren Tapisserien aus, die biblische, mythologische und exotische Motive zeigen. Mit insgesamt siebzig Wandteppichen zählt der Bestand heute zu den größten Sammlungen Deutschlands. Besonders beeindruckend sind die vier Tapisserien der sechsteiligen sogenannten Groteskenfolge. Sie entstanden 1685/1719 in der Manufaktur Philippe Behagle (Vater oder Sohn) im nordfranzösischen Beauvais.

Tänzerinnen, Detail aus Wandteppich der Groteskenfolge, Schloss Bruchsal; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Tänzerinnen auf französischer Tapisserie.

Von den Niederlanden nach Frankreich

Heinrich IV., bis 1610 König von Frankreich, veranlasste eine Reform der Tapisserieproduktion. Er warb einige in den Niederlanden ansässige Meister an, um ihr Wissen in Frankreich umzusetzen. Zwar ermöglichte die französische Technik an Hochwebstühlen eine stetige Kontrolle des Arbeitsergebnisses, sie kostete jedoch viel Zeit. Die in den Niederlanden übliche Herstellung an Flachwebstühlen ging viel schneller. Zugleich wurde das niederländische Entlohnungssystem übernommen: Anstatt wie bisher nach Arbeitszeit bezahlt zu werden, wurden die Arbeiter nun nach der Größe fertiger Teile entlohnt. 

Bedeutende Manufakturen in Frankreich

Sowohl die Gobelin-Manufaktur in Paris als auch die Manufaktur in Beauvais zählen zu den wichtigsten Werkstätten Frankreichs. Die Manufakturen wurden 1661 und 1664 von König Ludwig XIV. zu königlichen Manufakturen ernannt. Ebenfalls zu großem Ruhm gelangte die Manufaktur in Aubusson. Mit farbenfrohen asiatischen Motiven bediente die Werkstatt die Vorliebe ihrer Kunden für den Zauber ferner Länder. Im Vorzimmer des Amalien-Appartment sind heute vier Tapisserien der Reihe „Exotische Landschaften“ aus Aubusson zu sehen.

Tapisserie aus der Reihe „Exotische Landschaften“, Amalien-Appartement, Schloss Bruchsal; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Tapisserie „Ausblick auf Tempel und Wasserfall".

Abigail vor David, Tapisserie aus der Reihe „Szenen aus dem Alten Testament“, Schloss Bruchsal; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Katharina Rohne

Tapisserie „Abigail vor David“.

Kostbarkeiten aus Brüssel

Bei einem Rundgang durch die Beletage von Schloss Bruchsal sind nicht nur französische Tapisserien, sondern auch beeindruckende Wandteppiche aus Brüssel zu sehen: beispielsweise die Tapisserien mit „Szenen aus dem Alten Testament" aus dem Atelier von Martin II Reymbouts, tätig von 1590 bis 1619. Sie zählen zu den ältesten Bruchsaler Wirkteppichen und entstanden um 1600 in Brüssel. Oder die eindrucksvolle Tapisserien-Serie „Berühmte Männer nach Plutarch", entstanden um 1735/45 in der Werkstatt von Daniel und Urban Leyniers und Hendrik Reydams in Brüssel.