Einzige geistliche Residenz am Oberrhein

Schloss Bruchsal

Motiv der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg; Illustration: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, JUNG:Kommunikation GmbH
AKTIONSTAG AM 16. JUNI 2019

À LA FRANÇAISE –

SCHLOSSERLEBNISTAG

Die Schlösser, Burgen und Gärten des Landes laden am 16. Juni zum Schlosserlebnistag ein. Für unterhaltsame Veranstaltungen inklusive umfangreichem Programm öffnen sie ihre Tore unter dem Motto „À la française“, passend zum Themenjahr.

Schloss Bruchsal; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Katharina Rohne

Schloss Bruchsal bietet ein Programm zur deutsch-französischen Beziehung.

IMMER AM DRITTEN JUNI-SONNTAG

Der Verein „Schlösser, Burgen, Gärten Baden-Württemberg“, in dem sich staatliche und private Kulturdenkmale zusammengeschlossen haben, veranstaltet bereits zum neunten Mal den Schlosserlebnistag. Neben dem „Tag des offenen Denkmals“ im September und dem „Erlebnistag im Kloster“ im Oktober  gehört der „Schlosserlebnistag“ zur Ausflugstradition der Besucher. Die Monumente des Landes präsentieren ihre Vielfalt mit einem abwechslungsreichen Programm.

Motiv der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg; Illustration: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, JUNG:Kommunikation GmbH

Passend zum Themenjahr lautet das Motto „À la française“.

UMFANGREICHES PROGRAMM

Der diejährige Schlosserlebnistag steht unter dem Motto „À la française“. Passend zum Themenjahr 2019 „Ziemlich gute Freunde. Frankreich und der deutsche Südwesten“ bieten die landeseigenen Schlösser eigenständig und ganz ihren örtlichen Schwerpunkten entsprechend ein buntes und vielfältiges Programm zur deutsch-französischen Beziehung. Auf Schloss Bruchsal wird ein Schwerpunkt in der Darbietung französischer Musik liegen.

Glasharmonika, um 1800; Foto: Historisches Museum Frankfurt, Uwe Dettmar

Zu Ehren von Marianne Kirchgässner gibt es um 18.00 Uhr ein Konzert des Wiener Glasharmonika-Duos. Hier eine Glasharmonika von um 1800.

PROGRAMM IN SCHLOSS BRUCHSAL

Rahmenprogramm

  • Ausstellung „Vive la musique méchanique“ im Deutschen Musikautomaten-Museum
    10.00 - 17.00 Uhr
  • Kaffee & Kuchenverkauf mit den Bruchsaler Museums-Drehorglern
    12.00 - 17.00 Uhr
    Der Förderverein des Deutschen Musikautomaten-Museums lädt in seiner Historischen Wirtschaft im 3. Obergeschoss zu Kaffee und selbstgebackenem Kuchen mit musikalischer Unterhaltung – gerne auch zum Mitsingen – durch die Bruchsaler Museums-Drehorgler ein.
  • Kinderschminken
    12.00 - 16.00 Uhr
    Medienraum

Führungen

  • Musik aus Frankreich - Vorführung verschiedener Musikinstrumente
    Deutsches Musikautomaten-Museum
    11.00 und 15.00 Uhr
    Dauer: 20 Minuten
  • „Immer wieder Frankreich“
    Führung durch die Schlossräume
    Bruchsal entstand, weil die Residenz des Fürstbischofs in Speyer von französischen Truppen zerstört worden war. Der Franzose Napoleon wies Markgräfin Amalie das Schloss als Wohnung zu. Im Krieg gegen Frankreich 1870/71 wurde der Gartensaal zum Lazarett. Helmut Kohl und François Mitterrand trafen sich hier – und heute kommen viele französische Touristen. Spuren Frankreichs sind überall in der Schlossgeschichte zu finden!
    12.00 Uhr
    Dauer: 60 Minuten
  • Mensch und Maschine - Der Organist Rudolf Peter spielt die große Welte Philharmonie-Orgel
    Welte-Saal, EG
    13.00 und 14.00 Uhr
    Dauer: 30 Minuten
  • Kostümführung „Voilà la musique“
    Deutsches Musikautomaten-Museum
    14.00 Uhr
    Dauer: 60 Minuten
  • „Von Versailles nach ganz Europa“
    Führung durch die Schlossräume
    Der Sonnenkönig prägte das Europa des 18. Jahrhunderts. In der Umgebung von Ludwig XIV. wurde das Zeremoniell zur Perfektion entwickelt: „Vom Erwachen bis zum Schlafengehen war jede Handlung als Ritual fixiert. Je näher am König, umso heller strahlte die Sonne seiner Gnade. Diese Inszenierung beeindruckte die absolutistischen Herrscher sehr. Viele deutsche Fürsten ahmten die französischen Sitten nach – auch in Bruchsal!
    15.00
    Dauer: 60 Minuten

Zu Ehren von Marianne Kirchgässner

Symposium

14.00 - 17.00 Uhr
Dauer: 3 Stunden

   

14.00 - 14.30 Uhr
Dr. Rüdiger Thomsen-Fürst (Schwetzingen):
Die Glasharmonika an den südwestdeutschen Höfen

  
Nachdem Benjamin Franklin 1761 die Glasharmonika in London erfunden hatte, sollte es noch einige Jahre dauern, bis dieses neue Instrument nicht als bloße Kuriosität angesehen, sondern Teil des Musiklebens wurde. Dieser Prozess vollzog sich jedoch nicht in England, sondern in erster Linie im deutschen Sprachraum: „Germany truly became the adopted home of the harmonica“, fasste es der Musikwissenschaftler Alec Hyatt King zusammen. An den Höfen Südwestdeutschlands begann diese Entwicklung. Hier wurden – teilweise im Auftrag der Regenten – die ersten Instrumente in Deutschland nachgebaut, etwas später setzte auch die serielle Fertigung ein. Hier lernten Instrumentalisten die Spielweise, komponierten für das Instrument und gaben ihre Kenntnisse wiederum an Schüler weiter. Die zentrale Rolle der Region in der Geschichte der Glasharmonika wird in diesem Referat näher betrachtet werden.

14.45 - 15.15 Uhr
Prof. Dr. Melanie Unseld (Wien):
„Alles muß dauerhaft genug seyn, um […] den Transport zu vertragen“.
Das fragile Unternehmen, als Glasharmonika-Virtuosin zu reisen

 
Um als Virtuosin über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus bekannt zu werden, war das Reisen für Marianne Kirchgessner notwendige Voraussetzung ihrer Musikerinnenkarriere. Wie aber gestalteten sich Konzerttourneen für eine Musikerin im 18. Jahrhundert? Welche Strategien zu Reiserouten und Aufführungsorten wählte sie? Wie halfen die Kontakte zu Kolleginnen und Kollegen? Mit welchen Programmen konnte sie an welchen Orten reüssieren? Und – nicht zuletzt – wie verpackt man ein Instrument aus Glas für die wenig stoßgedämpften Reisen mit einer Kutsche?

15.45 - 16.15 Uhr
Prof. Dr. Freia Hoffmann (Bremen):
Klänge aus dem Jenseits –
Die Glasharmonika als Instrument der Empfindsamkeit

 
Um 1800 haben Dichter wie Friedrich Schiller, Christoph Martin Wieland, Johann Wolf-gang von Goethe und Jean Paul die Glasharmonika in nahezu religiöser Schwärmerei beschrieben: als Instrument der feinen Seelenbewegungen, der Entrückung in jenseitige Sphären, als „Leier des Orpheus“. Dass Marianne Kirchgessner mit ihrem Spiel ihr Publi-kum zutiefst rührte, hing auch mit ihrem Schicksal als Blinde zusammen. So reihte sie sich in die Reihe jener blinden Propheten, Sänger und Harfner ein, die seit der Antike kultische Vermittler zwischen Diesseits und Jenseits gewesen waren.

16.30 - 17.00 Uhr
Prof. Dr. Thomas Seedorf (Karlsruhe):
„Il dolce suono“.
Die Glasharmonika in Gaetano Donizettis „Lucia di Lammermoor“

  
Gaetano Donizetti komponierte die sogenannte Wahnsinnsszene seines romantischen Dramma tragico „Lucia di Lammermoor“ ursprünglich für eine Glasharmonika, deren sphärische Klänge sich mit den im Wahn entrückten Tönen der Titelheldin verbinden sollten. Die Umstände der Uraufführung machten diese Besetzung aber unmöglich. Seither erklang die Szene stets als Duett zwischen Sopran und Flöte. In den letzten Jahren ist man an vielen Theatern, auch großen Opernhäusern wie denen in Wien und München, zur Glasharmonika zurückgekehrt, deren „dolce suono“ der Klang einer zersprungenen Seele ist.

 

Wiederentdeckung eines vergessenen Musikinstruments

Konzert des Wiener Glasharmonika-Duos
18.00 Uhr
Kammermusiksaal

Ein außergewöhnliches Konzert: Auf Einladung der Stadt Bruchsal gastiert das Wiener Glasharmonika Duo am Sonntag, 16. Juni um 18 Uhr im Kammermusiksaal des Bruchsaler Barockschlosses. Anlass ist der 250. Geburtstag der aus Bruchsal stammenden Glasharmonika-Virtuosin Marianne Kirchgessner, die im ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhundert als Solistin auf Europatournee als ein internationaler Star ihrer Zeit gegolten hat. Zu den gespielten Werken gehören u. a. das von Mozart eigens für Marianne Kirchgessner geschriebene und ihr zugeeignete Adagio und Rondo KV 617, Wenzel J. Tomascheks Komposition „Am Grabe der um dieses Instrument so sehr verdienten Tonkünstlerin Demoiselle Kirchgessner“ sowie Werke von Frédéric Chopin, Johann Gottlieb Naumann, Edward Grieg und weiteren Komponisten.

Das Ehepaar Christa und Gerald Schönfeldinger zählt zu den weltweit führenden Interpreten auf Glasharmonika und Verrophon. Im Kammermusiksaal des Barockschlosses ist die Wiederentdeckung eines Instrumentes zu erleben, das nach seiner sensationellen Karriere im 18. Jahrhundert in einen fast zweihundertjährigen Dornröschenschlaf versunken war. Verstärkung erhält das Wiener Glasharmonika Duo durch Dozentinnen und Dozenten der Musik- und Kunstschule Bruchsal.

Eintritt

Erwachsene 4,00 €
Ermäßigte 2,00 €
Familien 10,00 €

Der Eintritt beinhaltet freien Rundgang durch die Schlossräume inklusive Beletage, Deutsches Musikautomaten-Museum und das Städtische Museum sowie die Teilnahme an allen Aktionen

KONZERT IM KAMMERMUSIKSAAL

Erwachsene 25,00 €
Ermäßigte (Schüler, Studenten, Schwerbehinderte, BFD-Leistende und Arbeitssuchende) 20,00 €

Kartenvorverkauf:
Stadt Bruchsal
Hauptamt
Abteilung Kultur
Kaiserstraße 66
76646 Bruchsal,
kultur@bruchsal.de
Telefon + 49 (0)72 51. 7 93 80

Konzertbesucher außerhalb von Bruchsal erhalten die Karten auf Wunsch postalisch gegen Rechnung.

KONTAKT

Schloss Bruchsal
Schlosskasse
Schlossraum 4
76646 Bruchsal

Weitere beteiligte Monumente