Einzige geistliche Residenz am Oberrhein

Schloss Bruchsal

Die Fürstbischöfe von Speyer und ihr Schloss

Meilensteine

Vier Fürstbischöfe lebten und residierten in Bruchsal – doch was bedeutete dieses Amt überhaupt? Welche Ausgangssituation traf der erste Fürstbischof 1719 bei seinem Regierungsantritt in Bruchsal an und wie ging die Geschichte weiter?

Porträt des Fürstbischofs Franz Christoph Hutten mit Bischofsmütze und Fürstenhut von Johann Zick, um 1750, in Schloss Bruchsal; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Andrea Rachele

Doppelte Insignien: Porträt Huttens im Fürstensaal.

Fürstbistum und Hochstift

Ein Fürstbischof hatte im Heiligen Römischen Reich doppelte Macht: Als Bischof war er geistliches Oberhaupt seines Bistums, als Fürst war er regierender Landesherr und hatte so auch politischen Einfluss. Das Territorium, das der Fürstbischof von Speyer regierte, bezeichnete man als Hochstift – es war jedoch wesentlich kleiner als sein Bistum. Einige Bischöfe bekleideten mehrere Ämter – wie Damian Hugo von Schönborn, der 1740 auch Fürstbischof von Konstanz wurde.

Blick in den Ehrenhof von Schloss Bruchsal; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Achim Mende

Der Ehrenhof von Schloss Bruchsal.

Kriegerisches Jahrhundert

Das Hochstift Speyer hatte unter mehreren Kriegen zu leiden – zuletzt der Pfälzische Erbfolgekrieg von 1688 bis 1697. Eine breite Schneise zerstörter Städte hatten die Truppen König Ludwigs XIV. von Frankreich 1688/89 entlang des Rheins hinterlassen. Der Bischofspalast und Teile des Doms in Speyer brannten ab. Auch Bruchsal hatte im 17. Jahrhundert immer wieder unter Plünderungen und Zerstörungen gelitten. Seit 1689 war die Bevölkerung stark dezimiert – eine schwierige Ausgangssituation.

Aufschwung für Bruchsal

Schönborns Entscheidung, in Bruchsal ab 1722 seine neue Residenz zu errichten, hatte für die Stadt einen Aufschwung zur Folge. Doch die Kriege endeten nicht. Fast jeder Bischof musste für einige Jahre die Residenzstadt verlassen. Der vierte Bischof in Bruchsal war schließlich der letzte: Philipp Franz Wilderich von Walderdorff wurde Ende 1802 abgesetzt – die Ära geistlicher Herrschaften war vorbei. Im Zuge der Säkularisation und der Neuordnung der Region unter dem Einfluss Napoleons fielen seine Gebiete an Baden.

Luftansicht der Schlossanlage in Bruchsal.

Bildnis des Fürstbischofs Franz Christoph Hutten mit Schloss Bruchsal im Hintergrund von Nicolas Treu, nach 1761; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Fürstbischof Hutten, im Hintergrund das Schloss.

Unterschiedliche Persönlichkeiten

Die vier Fürstbischöfe waren ganz unterschiedlich – Schönborn war sparsam, Hutten gab das Geld großzügig aus. Limburg-Stirum galt als streitsüchtig, sein Nachfolger Walderdorff schien eher sanftmütig und war nach dem Ende seiner Herrschaft ein gebrochener Mann. Amalie von Baden, seit 1806 im Schloss, war standesbewusst: Den „Emporkömmling“ Napoleon hasste sie. Wechselvoll wie der Charakter seiner Bewohner war die Geschichte des Schlosses – bis hinein in unsere Zeit.

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