Einzige geistliche Residenz am Oberrhein

Schloss Bruchsal

Formvollendet feiern wie in Frankreich

BAROCKES „TAFEL-CEREMONIEL“

Das öffentliche Leben in der Residenz der Fürstbischöfe von Speyer richtete sich nach dem Hofzeremoniell, wie es aus Frankreich bekannt war: ein wirksames Instrument der fürstlichen Repräsentation. Nachzulesen waren die Einzelheiten in theoretischen Traktaten wie dem von Julius von Rohr.

Nachgestellte Szene einer Kaffeegesellschaft im Fürstensaal, Schloss Bruchsal; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Schlossverwaltung Bruchsal

Gesellschaft im Fürstensaal.

Hofregeln aus Frankreich

Am barocken Hof des Sonnenkönigs Ludwig XIV. von Frankreich entfaltete das höfische Zeremoniell seine ganze Pracht. Es wurde zu einem raffiniert ausgeklügelten Instrumentarium, das der Repräsentation des Herrschers diente. In relativ kurzer Zeit übernahmen andere europäische Höfe diese Mode aus Frankreich und machten sie zur Grundlage ihres Hoflebens. Am fürstbischöflichen Hof in Bruchsal unterlag vielleicht nicht jeder Tag diesem komplizierten Regelwerk, doch die Festlichkeiten und Empfänge richteten sich danach.

Amtsstube des Julius Bernhard von Rohr; Foto: Wikipedia, gemeinfrei

Julius Bernhard von Rohr in seiner Amtsstube.

Wie aus dem Lehrbuch

In den meisten Residenzen entstanden eigene Hof- und Küchenordnungen, die das Zusammenleben bei Hof und die Gestaltung von Empfängen, Festessen und Bällen regelten. Dabei stützte man sich auf die Empfehlungen von Diplomaten, die Lehr- und Theoriebücher mit präzisen Anleitungen für die korrekte Anwendung bis ins Detail entwickelten. Ein weit verbreitetes Standardwerk war das Buch „Einleitung zur Ceremoniel–Wissenschafft der großen Herren“, das Julius Bernhard von Rohr 1733 veröffentlicht hatte. 

Kronleuchter im Fürstensaal, Schloss Bruchsal; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Olaf Nowodworski

Festliche Beleuchtung im Fürstensaal.

Empfehlungen für die fürstliche Tafel

Von Rohr widmete dem Aussehen der fürstlichen Tafel mehrere Kapitel, zum Beispiel: „§3 Die Speisen werden auf den Fürstlichen Tafeln entweder in silbernen oder vergoldeten, oder gar in goldenen Schüsseln aufgesetzt. Nach der neuesten Façon sind die Schüsseln iederzeit mit silbernen Glocken bedeckt, theils, damit die Speisen darunter warm bleiben, theils und vornemlich aber damit sie nicht durch den herabfallenden Poudre und anderen Wust, von denen, die sie auf die Tafeln setzten, verunreiniget, und unappetitlich werden.“ 

Das Schloss als Bühne

Auch der Grundriss der vornehmen Wohnungen, ja: die gesamte Anlage eines Schlosses verdankt sich dem Zeremoniell und seinen Lehren. Höfe und Treppenhäuser, Vorzimmer und Empfangsräume dienten dazu, den Rang und die Distanz des Herrschers zu demonstrieren. Das lässt sich auch in Schloss Bruchsal ablesen, das ganz als festliche Bühne für die Hofhaltung des Fürstbischofs von Speyer angelegt ist. Treppenhaus, Festsäle und kostbar eingerichtete Raumfolgen bieten den Rahmen für das komplexe System des barocken Zeremoniells. 

Der Marmor- und der Fürstensaal als prunkvolle Festsäle und das Winterspeisezimmer in der Beletage von Schloss Bruchsal.

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