Einzige geistliche Residenz am Oberrhein

Schloss Bruchsal

Eines der Hauptwerke Balthasar Neumanns

Das Treppenhaus

Das berühmte Treppenhaus von Schloss Bruchsal entstand aus der Not: Fürstbischof Schönborn hatte durch eigenmächtiges Handeln eine verzwickte Situation verursacht. Niemand konnte das Problem lösen – außer dem berühmten Baumeister Balthasar Neumann.

Eingangshalle (Vestibül) von Schloss Bruchsal; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Zwei Aufgänge führen um die Grotte zur Beletage.

Einzigartige Architektur

Auf ovalem Grundriss schwingen sich die beiden Treppenläufe empor und geben den Blick nach unten in die Grotte frei. Mit zunehmender Höhe wird das Treppenhaus von den seitlichen Lichthöfen und von oben erhellt. Der Endpunkt der Stiege ist eindrucksvoll: Eine große, bemalte Kuppel bekrönt den Ovalraum, der zugleich die beiden Festsäle, den Fürsten- und den Marmorsaal, wie eine Brücke miteinander verbindet. Grotte, Treppe und Kuppelsaal bilden so eine gestalterische Einheit – sie ist in dieser Konstellation einzigartig!

Wanddetail (Dienergeschoss) in der Eingangshalle (Vestibül) von Schloss Bruchsal; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Ein architektonisches Problem: das Dienergeschoss.

Wie kam es zu dem Entwurf?

Nach Plänen von Anselm Franz von Ritter zu Groenesteyn hatte man 1725 den Hauptbau begonnen: Das Erdgeschoss, die Beletage als repräsentatives Hauptgeschoss und ein niedrigeres zweites Obergeschoss waren geplant – wie üblich. Doch Schönborn merkte: Für seine wichtigsten Angestellten und seine Garderoberäume reichte das nicht aus. Während der Abwesenheit Ritter zu Groenesteyns ordnete er 1726 an, beidseitig des Treppenhauses zwischen Erdgeschoss und Beletage ein Zwischengeschoss einzufügen – und damit ergab sich das Problem.

Ansicht des Kuppelsaals in Schloss Bruchsal; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Andrea Rachele

Neumann schuf eine ovale Bühne über seiner Treppe.

Das „Loch in der Mitten“

Die Treppe reichte in der geplanten Form nicht mehr bis zur Beletage hinauf – musste sie doch jetzt eine größere Höhe überwinden. Ganz einfach ließ sich das nicht lösen: Groenesteyns Vorschläge waren gestalterisch nicht befriedigend. Links und rechts des Treppenhauses baute man weiter – einschließlich des Dienergeschosses. Dazwischen blieb über Jahre das „Loch in der Mitten“, wie Schönborn schrieb. Bis er einen der berühmtesten Baumeister der Zeit nach Bruchsal holte: Balthasar Neumann (1687–1753).

Historische Ansicht des Kuppelsaals von Schloss Bruchsal, Foto um 1870;  Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Georg Maria Eckert

Der Kuppelsaal vor der Zerstörung im 2. Weltkrieg.

Barocke Raumkunst vom Feinsten

Neumann übernahm ab 1728 die oberste Bauleitung in Bruchsal. Den bisherigen Entwurf für das Treppenhaus entwickelte er 1731 weiter zu einer der großen Raumschöpfungen des deutschen Barock. Durch Veränderung des leicht ovalen Grundrisses konnte Neumann die Länge der beiden Treppenläufe und damit die erreichbare Raumhöhe vergrößern. Neumanns Entwurf gilt heute als eines der einfallsreichsten barocken Treppenhäuser – und hat Schloss Bruchsal berühmt gemacht.

TIPP

Balthasar Neumann war ein wahrhaft genialer Baumeister, der in Bruchsal nicht nur das Treppenhaus schuf. Mehr darüber erfahren Sie unter „Persönlichkeiten“ oder bei einer unserer Sonderführungen.

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