Der Schlossgarten

Luftbild von Schloss Bruchsal mit Schlossgarten

Der Bruchsaler Schlossgarten präsentiert sich heute dem Besucher als ein Zusammenspiel verschiedener Stile der Gartenkunst. Neben seiner prägenden formalen Grundstruktur aus der Barockzeit enthält er Bereiche mit dem natürlich wirkenden Charakter eines Landschaftsgartens und Zeugnisse von Umgestaltungen des 20. Jahrhunderts. Die enge Verzahnung der Freiräume des Gartens mit den mehr als 50 Einzelgebäuden des Schlosses ist erlebbar geblieben.

Nördliche Orangerie

Bereits ein Jahr nach der Grundsteinlegung des Schlosses wurde im Sommer 1723 Johann Franz Scheer aus Wien als Hofgärtner der entstehenden Bruchsaler Residenz angestellt. Er legte bald darauf einen Plan für den Hofgarten vor, der neben einer markanten mittleren Hauptallee, ausgeführt als Doppelallee, auch Seitenalleen, mit Stützmauern versehene Broderieparterres, Boskettbereiche und als Abschluss des Gartens nach Westen zwei Rondells vorsah. Für den Winter 1723/24 lässt sich eine Lieferung von Rosskastanien für die Alleen aus den Baumschulen des Schlosses Seehof bei Bamberg nachweisen, die von dort aus per Schiff ihre Reise nach Bruchsal antraten.

Schloss Bruchsal Schlossterrasse

Im Jahre 1728 erweiterte man den Schlossgarten um mehr als das Doppelte seiner Fläche gen Westen. Die Mittelallee wurde entsprechend verlängert und die hinzugenommenen Flächen boskettartig gestaltet.

Zehn Jahre später war Joseph Sickora aus Böhmen Hofgärtner in Bruchsal. Er ließ unter anderem aufwendige Wasserbecken auf der Schlossterrasse und zwei Bassins in den vertieften Boulingrins des Ehrenhofes errichten.

Ab 1755 wurde der Schlossgarten durch ein Figurenprogramm an Gartenskulpturen, teils von Joachim Günther, bereichert. Vier Hellebardiere und zwei Figurengruppen, die die vier Jahreszeiten und die vier Elemente darstellen, kamen im Garten zur Aufstellung.

Element "Wasser" Element "Feuer" Jahreszeit "Sommer"

In der Folgezeit wurde die Pflege des barocken Schlossgartens reduziert. In den Parterre- und Boskettzonen beiderseits der Hauptallee dominierte zunehmend dichter Baum- und Strauchbestand. Ein Plan aus dem Jahre 1785 zeigt, dass auch die ehemals lineare Anordnung der Wege in diesen Bereichen zugunsten einer frei geschwungenen Wegeführung aufgegeben worden war, die an ein typisches Element eines Landschaftsgartens erinnert.

Das 19. Jahrhundert bedeutete für den Bruchsaler Schlossgarten eine Zeit der Verluste. Durch unterbliebene Pflege wollte man sich weiter dem vermeintlichen Ideal eines „englischen Parks“ annähern, die barocke Grundstruktur überwuchs zusehends. Die Gartenfiguren wurden entfernt und teils veräußert. Die größte Beeinträchtigung erlitt der Schlossgarten allerdings durch den Bau der Bahnlinie von Heidelberg nach Karlsruhe, deren Trasse mitten durch den Park geführt wurde und von nun an den ehemals weiten Blick in die Rheinebene versperrte.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts besann man sich der vergangenen Werte und widmete sich vor allem den baulichen Anlagen und der verlorengegangenen Ausstattung des Gartens. Die noch auffindbaren Skulpturen wurden restauriert und von den veräußerten Figuren Kopien angefertigt. Als neuen Parkabschluss im Westen vor der Bahnlinie schuf man eine Torsituation mit puttenbekrönten Pfeilern. Am zum Schwanenteich umgestalteten Großen Bassin in der ehemaligen Boskettzone wurden Felsengruppen sowie ein Wasserlauf angelegt. Zu einer Neuordnung der üppigen Vegetation, insbesondere des überalterten Baumbestandes, kam es allerdings nicht.

In den 1970er-Jahren wurde die Gestaltung des Ehrenhofes und der gartenseitigen Schlossterrasse mit ihren Bassinanlagen nach Grabungsbefunden und historischen Planunterlagen rekonstruiert. Im Jahre 1989 waren eine Erneuerung der Alleen und eine Beseitigung der in ihrer Standsicherheit gefährdeten Bäume unumgänglich. Bis 1996 wurden die Rosskastanienalleen erneuert und Teile von Stützmauern der Parterres wiederhergestellt.

Heute ist die barocke Grundstruktur mit der markanten Mittelachse, die durch zwei flankierende Doppelalleen gesäumt wird, und den Seitenalleen wieder ablesbar. In den ehemaligen Parterre- und Boskettzonen weisen lediglich zentrale Wasserbecken auf die ursprünglich streng formale Gestaltung hin. Der vorhandene Baum- und Strauchbestand in diesen Bereichen ist ein Relikt der Zeit der unterbliebenen Pflege und des Gestaltungsziels eines Landschaftsgartens. In den beiden Rondells am unteren Parkabschluss wurden ein Kinderspielplatz und ein Rosengarten eingerichtet. Den Ehrenhof vor dem Hauptgebäude des Schlosses gliedern zwei vertieft liegende Parterres mit zentralen Bassins und buchsgesäumten Rasenflächen. Im durch die Bahnlinie vom heutigen Schlossgarten abgetrennten, sogenannten mittleren und unteren Schlossgarten zeugt die Fortsetzung der Mittelallee aus Rosskastanien von der ehemaligen Ausdehnung des Parks.

Als einziger innerstädtischer Grünbereich stellt der Bruchsaler Schlossgarten aktuell einen beliebten Erholungsraum für die Bevölkerung dar und ist gleichzeitig als schützenswertes Kulturdenkmal anzusehen. Dementsprechend wird er von den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg gepflegt und erhalten.

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Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook