Außer den Textilrestauratoren bekommt fast niemand die Rückseiten der Tapisserien zu Gesicht. Dabei offenbaren sie einiges über die Arbeitsweise der Wirker. Hier sieht man, ob und wie oft die Fäden während der Arbeit gerissen sind und neu angeknotet werden mussten und in welcher Länge sie nach dem Weben abgeschnitten wurden. Außerdem sind die leuchtenden Farben auf der Rückseite besser erhalten, weil sie immer vor Licht geschützt waren. Nagellöcher verraten, dass die Teppiche im Laufe ihrer Nutzungsgeschichte umgehängt wurden.
Manche Änderungen sind auch auf der Vorderseite sichtbar. Passte das Format der Wandteppiche nicht zum neuen Hängeort, gingen die „Tapezier“ genannten Hofhandwerker nicht zimperlich mit ihnen um. War das Stück zu klein, wurde ein anderer Teppich mit ähnlichem Motiv auseinandergeschnitten und an das Bildfeld angefügt. War die Tapisserie zu groß für den Raum, wurde einfach das überschüssige Stück nach hinten umgeschlagen. Diese Stellen fallen heute durch ihre frischeren Farben auf.